Kaum ein Hormon hat es so schnell von obskuren Physiologie-Lehrbüchern in den allgemeinen Sprachgebrauch geschafft wie das Glucagon-like Peptide-1 (GLP-1). Vor allem aufgrund der Popularität pharmazeutischer GLP-1-Rezeptoragonisten hat das Interesse der Verbraucher an „GLP-1-Unterstützung“ rasant auf den Lebensmittel-, Getränke- und Nahrungsergänzungsbereich ausgeweitet.
Was ist GLP-1?

GLP-1 ist ein Peptidhormon, das von L-Zellen der Darmschleimhaut als Reaktion auf die Nährstoffaufnahme, insbesondere nach protein-, fett- und ballaststoffreichen Mahlzeiten, ausgeschüttet wird. Es gehört zur Gruppe der Inkretine, Hormone, die die Verdauung mit metabolischen Signalwegen koordinieren. Nach seiner Freisetzung wirkt GLP-1 auf Rezeptoren in der Bauchspeicheldrüse, der Leber, dem Gehirn, dem Darm und dem Fettgewebe und beeinflusst dadurch mehrere miteinander verbundene Systeme anstatt nur einen einzigen Signalweg (Lotosky et al., 2025).
In der Bauchspeicheldrüse steigert GLP-1 die Insulinausschüttung und unterstützt die Funktion der Beta-Zellen. Im Gehirn interagiert es mit den Appetitzentren, um Sättigung zu fördern und das Verlangen nach Nahrung zu reduzieren. Im Darm verlangsamt es die Magenentleerung, wodurch das Sättigungsgefühl nach dem Essen verlängert wird. Seine Wirkungen in Leber und Skelettmuskulatur, einschließlich der Unterstützung der Glykogensynthese und des Energieverbrauchs, werden noch erforscht, gelten aber als relevant für seine umfassenderen metabolischen Effekte (Lotosky et al., 2025).
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Da GLP-1 im Körper rasch durch das Enzym Dipeptidylpeptidase-4 (DPP-4) abgebaut wird, ist sein natürliches Signalfenster kurz. Dies ist einer der Gründe, warum pharmazeutische GLP-1-Rezeptoragonisten mit modifizierten, DPP-4-resistenten Strukturen entwickelt wurden (Lotosky et al., 2025).
Aus diesem Grund interessieren sich Ernährungswissenschaftler auch für Inhaltsstoffe, die die körpereigene GLP-1-Aktivität unterstützen können, entweder indem sie dessen Freisetzung fördern oder indem sie das Enzym hemmen, das es abbaut.
Die Rolle von GLP-1 bei der Appetitregulation

Der Appetit wird nicht durch ein einzelnes Signal, sondern durch ein Netzwerk der Darm-Hirn-Kommunikation gesteuert, in dem GLP-1 eine koordinierende Rolle spielt. Nach einer Mahlzeit tragen erhöhte GLP-1-Spiegel zu vermindertem Hungergefühl, verlangsamter Magenentleerung und einem verstärkten Sättigungsgefühl bei. Diese Kombination erklärt, warum GLP-1 in der pharmazeutischen und ernährungswissenschaftlichen Forschung zur Gewichtsreduktion eine zentrale Rolle spielt. Wichtig ist, dass GLP-1 nicht isoliert wirkt; es interagiert mit anderen Darmhormonen, darunter Ghrelin und Peptid YY, als Teil eines umfassenderen appetitregulierenden Systems.
GLP-1 und Stoffwechselfunktion

Neben der Appetitregulation ist die GLP-1-vermittelte Signalübertragung auch mit der Glukoseregulation, dem Lipidstoffwechsel und dem Energieverbrauch verknüpft. Im Lebergewebe fördert GLP-1 die Glykogensynthese sowohl über insulinabhängige als auch potenziell insulinunabhängige Wege. Im Fettgewebe stimuliert GLP-1 die Thermogenese und den Energieverbrauch des braunen Fettgewebes – ein Mechanismus, der als relevant für den mit GLP-1-Rezeptoragonisten-Therapien assoziierten Gewichtsverlust angesehen wird (Lotosky et al., 2025).
Diese Mechanismen sind nach wie vor Gegenstand aktiver Forschung, und in der Literatur werden erhebliche Wissenslücken anerkannt, insbesondere hinsichtlich des Ausmaßes der direkten Wirkungen von GLP-1 in spezifischen Geweben.
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Botanische Ansätze zur Unterstützung der GLP-1-Signalwege
Eine wachsende Zahl ernährungswissenschaftlicher Studien untersucht, ob bestimmte Pflanzenextrakte die körpereigene GLP-1-Aktivität beeinflussen können, entweder durch die Anregung der GLP-1-Sekretion im Darm oder durch die Modulation der DPP-4-Aktivität, des Enzyms, das für den schnellen Abbau von GLP-1 verantwortlich ist. Das Interesse an diesem Bereich hat parallel zur breiteren Diskussion um GLP-1 zugenommen, da Arzneimittelhersteller verstärkt auf ernährungsbasierte Ansätze setzen, die über denselben Inkretin-Signalweg wie pharmazeutische GLP-1-Therapien wirken, ohne selbst Arzneimittel zu sein.
Ein Beispiel aus dem Portfolio von NaturMed Scientific ist Theolim, eine standardisierte, patentierte Kombination aus Limettenschalen- (Citrus aurantifolia) und Kakaobohnenextrakten (Theobroma cacao) . In einem mehrstufigen präklinischen und klinischen Forschungsprogramm wurde Theolim hinsichtlich seiner Auswirkungen auf den Energieverbrauch, die Körperzusammensetzung und damit verbundene Stoffwechselmarker untersucht. In Zell- und Tiermodellen zeigte sich, dass die Kombination die Expression von Proteinen, die mit der Thermogenese assoziiert sind, darunter das Entkopplungsprotein-1 und der Beta-3-adrenerge Rezeptor, stärker förderte als die einzelnen Extrakte (Kundimi et al., 2024).
Die Humanforschung hat sich seither von einer akuten Crossover-Studie, in der der Ruheumsatz und die Fettoxidation nach einer Einzeldosis im Vergleich zu Placebo signifikant höher waren (Ammatalli et al., 2024), bis hin zu einer 16-wöchigen randomisierten, doppelblinden, placebokontrollierten Studie mit 120 übergewichtigen Erwachsenen weiterentwickelt.
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In dieser 16-wöchigen Studie war die Einnahme von Theolim im Vergleich zu Placebo mit einer signifikant stärkeren Reduktion von Körpergewicht und Fettmasse verbunden. Zudem zeigte sich in Woche 16 ein mittlerer Anstieg des Serum-GLP-1-Spiegels um 33 % gegenüber dem Ausgangswert, eine signifikante Reduktion von Ghrelin sowie Verbesserungen ausgewählter Lipid- und Insulinsensitivitätsmarker (Chadalavada et al., 2025). Dies ist nach wie vor einer der aussagekräftigsten Belege für einen Zusammenhang zwischen einer pflanzlichen Lebensmittelkombination und der endogenen GLP-1-Aktivität. Unabhängige Replikationsstudien und eine detailliertere Charakterisierung der Biomarker-Veränderungen würden die Evidenzbasis jedoch weiter stärken.
Kontext und Einschränkungen
Obwohl dieser Forschungsbereich rasant wächst, sind einige Einschränkungen zu beachten. Viele der mechanistischen Erkenntnisse, die pflanzliche Inhaltsstoffe mit der GLP-1-Aktivität in Verbindung bringen, stammen aus Zell- und Tiermodellen. Diese Ergebnisse lassen sich nicht direkt auf den Menschen übertragen und sind daher als vorläufig zu betrachten. Die Forschung zu pflanzlichem GLP-1 erweitert zudem in den meisten Rechtsordnungen nicht den Rahmen zulässiger Aussagen zum Zusammenhang zwischen Struktur und Funktion von Nahrungsergänzungsmitteln. Sie kann jedoch die wissenschaftliche Grundlage bestehender Aussagen zu Sättigung, Appetitregulierung und Stoffwechselgesundheit stärken. Hersteller und Marken werden daher ermutigt, die Forschung zu GLP-1-bezogenen pflanzlichen Inhaltsstoffen als Teil eines umfassenderen Konzepts für Stoffwechselgesundheit zu positionieren und nicht als direkten Ersatz für verschreibungspflichtige GLP-1-Therapien.
Hinweis: Die in diesem Artikel besprochenen Inhaltsstoffe und Studien beziehen sich auf Nahrungsergänzungsmittel und sind keine zugelassenen Arzneimittel. Sie dienen nicht der Diagnose, Behandlung, Heilung oder Vorbeugung von Krankheiten. Verbrauchern mit Vorerkrankungen oder die Medikamente einnehmen, einschließlich GLP-1-Rezeptoragonisten, wird empfohlen, vor der Anwendung einen qualifizierten Arzt oder Apotheker zu konsultieren.
Referenzen
Ammatalli, NKR, Kuricheti, SSSK, Veeramachaneni, S., Koo, YK, Ramanathan, G. und Yalamanchi, A. (2024) „Eine Kombination aus Citrus aurantifolia-Fruchtschalen- und Theobroma cacao-Samenextrakten steigert den Stoffwechsel bei übergewichtigen Probanden: eine randomisierte, placebokontrollierte Cross-over-Studie“, Food & Nutrition Research, 68, Artikel 10745. Verfügbar unter: https://doi.org/10.29219/fnr.v68.10745
Chadalavada, A., Koo, YK, Kim, S., Veeramachaneni, S., Ramanathan, G. und Yalamanchi, A. (2025) „Eine thermogene Pflanzenzusammensetzung mit Extrakten aus der Fruchtschale von Citrus aurantifolia und den Samen von Theobroma cacao verbessert die Körperzusammensetzung bei übergewichtigen Erwachsenen: eine klinische Untersuchung“, Food & Nutrition Research, 69, Artikel 12159. Verfügbar unter: https://doi.org/10.29219/fnr.v69.12159
Kundimi, S., Chinta, G., Alluri, KV, Golakoti, T., Veeramachaneni, S., Ramanathan, G. und Sengupta, K. (2024) „Eine synergistische Pflanzenzusammensetzung erhöht den Ruheenergieverbrauch und reduziert die Fettmasse bei Ratten, die mit einer fettreichen Diät gefüttert wurden“, Journal of the American Nutrition Association, 43(3), S. 286–295. Verfügbar unter: https://doi.org/10.1080/27697061.2023.2280777
Lotosky, J., Jean, X., Altankhuyag, A., Khan, S., Bernotas, A., Sharafshah, A., Blum, K., Posner, A. und Thanos, PK (2025) „GLP-1 und seine Rolle bei der Glykogenproduktion: ein narrativer Review“, Biomedicines, 13(7), Artikel 1610. Verfügbar unter: https://doi.org/10.3390/biomedicines13071610
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